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Der Kontext für Sinn im Leben

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Die Kontextebene

Sinn im Leben ist gebunden an einen Kontext. Der Kontext definiert sich über die Umgebung, in der eine betreffende Person mit Hilfe von Verhaltensstrategien agiert. Die Aktionen des Individuums beziehen sich auf ein soziales Umfeld, das sich als Zugehörigkeit definiert. Das Gegenüber oder die Adressatin dieser Handlungsaktivität ist nicht die Umgebung an sich, sondern die identifizierte Zugehörigkeit. Sie unterschiedet sich von der Umgebung durch ihre Subjekthaftigkeit und Reaktivität. Die Zugehörigkeit entspricht dem sozialen Gegenüber der Identität mit ihren je eigenen Aktivitäten und Verhaltensweisen. Sie kann in Form einzelner Personen, Gruppen, oder anderen Systemen einschließlich natürlicher Umgebungen, denen eine geistige Verbindung beigemessen wird, repräsentiert werden. Der Kontext, repräsentiert durch eine situationsspezifische Umgebung, bildet die Plattform, auf der ein Individuum in Kommunikation tritt mit seinem sozialen Umfeld und über Verhaltensstrategien aktiv das aktuelle Geschehen beeinflußt. Identität und Zugehörigkeit bedingen sich bei ihrer Tätigkeit in wechselseitiger rückbezüglicher Art und Weise. Handlungsleitend bei diesen Interaktionen sind Absichten, hinter denen sich eine verhaltensrelevante Intention verbirgt. Ein Kontext definiert sich in unterschiedlichen Größenordnungen und Ausdehnungsformen. Er kann eine sehr abgegrenzte Thematik umreißen, die sich auf eine spezifische Lebensproblematik erstreckt oder aber sehr ausgedehnt viele unterschiedliche Lebensbereiche umfaßt.

Mit der Ausdehnung des Kontexts gestalten sich die Umgebungsstrukturen, die Zugehörigkeitsfaktoren, die Identitätszuschreibungen und die Verhaltensstrategien zunehmend komplexer und vielschichtiger. Mit der Zunahme der Kontextdimension steigt auch das Bedeutungsmaß, was die Frage nach Sinn im Leben betrifft.


 

Der Rahmen für Sinn im Leben

 

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Die Rahmenbedingungen für Sinn

Die Gewißheiten, die ein Mensch in Form von Glaubenssätzen, Überzeugungen und Vorannahmen hervorbringt, bilden eine wichtige Rahmenkategorie bei der Frage nach dem Sinn im Leben. Gewißheiten sind Aussagen, die unterschiedliche Kategorien miteinander verknüpfen und in einen bestimmten Zusammenhang stellen. Es konnten unterschiedliche Verknüpfungsformen kausaler, temporaler, finaler, konzessiver, konsekutiver und vergleichender Art unterschieden werden.

Die Verknüpfungsformen können unterschiedliche Bewußtheitgrade haben. Gewißheiten mit hohem Bewußtseinsgrad sind Überzeugungen, die einer Reflexion zugänglich sind und deren Gültigkeit hinterfragt werden kann. Daneben ließen sich Gewißheiten mit sehr niedrigem Bewußtseinsgrad fest-stellen, die als Vorannahmen einer Situation, einem Ereignis oder einer Thematik zugrunde liegen und ein hohes Maß an Allgemeingültigkeit aufweisen. Sie werden häufig keiner kritischen Reflexion unterworfen.

Je kategorischer eine Gewißheitsverknüpfung gilt, um so stärker wird ihr subjektiv ein Wahrheitsgehalt beigemessen. Die Ursache für den unterschiedlichen Verbindlichkeitsgrad von Gewißheiten läßt sich erst über die Wertkriterien verdeutlichen, die im Hintergrund von Gewißheiten stehen.
Obwohl Gewißheiten auf konkreten kontextspezifischen Lebenserfahrungen beruhen, zeigen sie in ihrer sprachlichen Gestalt ein hohes Maß an unspezifischen Formulierungsmustern. Überzeugungen erhalten ihre Gültigkeit nicht über Erfahrungswerte - auch wenn sie den Ursprung bilden - sondern ü-ber die Verknüpfungsmodalitäten der Zeit, des Zusammenhangs oder der Ursächlichkeit. Deshalb gelten Gewißheiten nicht nur unter einem situationsspezifischen Rahmen, sondern erfahren eine hohe Generalisierbarkeit, was die zeitliche und kontextabhängige Eingrenzung betrifft.

Die Komplexität der Verknüpfungskategorie verstärkte sich im selben Maße, wie sich herauskristallisierte, daß nur selten einzelne isolierte Gewißheiten bei Sinn eine Rolle spielen, sondern ein ganzes System unterschiedlicher Überzeugungen, Vorannahmen und Gewißheiten miteinander verbunden sind.

Bei der Systematisierung von sinnrelevanten, themenspezifischen, zeit- und kontextabhängigen Fragestellungen kommt es hinsichtlich der Gewißheiten auf drei Aspekte an: 1. die genaue Darstellung der Gewißheiten und ihrer Verknüpfungsmodalitäten; 2. die Unterscheidung systemisch aufeinander bezogene Gewißheiten 3. die Spezifizierung von Gewißheiten, was ihre Gültigkeit hin-sichtlich konkreter Bezüge und Erfahrungen betrifft.

Häufig werden Überzeugungen und Werte in einem Atemzug genannt. Die Beratungsaufzeichnungen zeigten jedoch, daß Werte nicht auf der gleichen Ebene wie die Gewißheiten stehen, sondern als Erfüllungskriterien die Gültigkeit von Glaubenssätzen herausfordern. Kontext- und zeitspezifische Ereignisse, die die Frage nach dem Sinn im Leben aufwerfen werden von bestimmten Verknüpfungssequenzen umrahmt, die ihrerseits ein oder mehrere spezifische Wertkriterien anstreben. Die Realisierung gewißheitsabhängiger Werte bestätigen ihrerseits die Gültigkeit der Glaubensgewißheiten. Ähnlich wie die Überzeugungskategorie bilden die Wertkriterien eine Rahmenstruktur bei Sinn im Leben.

Werte können sich in Übereinstimmung mit den Gewißheiten auf alle sinnrelevanten Kategorien beziehen. Bereits die sprachliche Verwendung von Begriffen wie »Selbstwert«, »Verhaltensnorm« oder »Glaubenskriterium« deuten dies an.

Bei Sinn im Leben geht es also auch um Wertverwirklichung, aber eben nicht allein. Wertbewußtes Handeln ist angewiesen auf kontextspezifische Ereignisse, zeitabhängige Variablen und wird getragen von den zugehörigen Vorannahmen und Überzeugungen. Umgekehrt kann Sinn im Leben nicht ohne Wertkriterien gedacht werden. Sie gehören konstitutiv als Rahmenbedingung zum Leben dazu und bewerten die entprechenden Zuammenhänge.

Die Empfindungen bilden eine wichtige Kategorie, was die Repräsentation von Sinn im Leben betrifft. Sie gehören zu der Kernkategorie der Rahmensetzung, weil sie den „Ist-Zustand“ einer spezifischen Situation als Gefühl rückmelden. Die Empfindungen dienen als „emotive Gegenspieler“ der Kognitionen. Sie bilden ein Feedbackinstrument für das menschliche Wahrnehmungssystem. Ein Gefühl sagt etwas aus über die sinnesspezifische Lebenssituation. Empfindungen können in zweierlei Hinsicht unterschieden werden: Einerseits tauchen sie auf als kinästhetische Rückmeldungen, indem sie ein Gespür für etwas ausprägen, das häufig auf Gewißheitsstrukturen verweist, die als kognitive Konstruktion vorliegen. Andererseits können sie als Emotionen auftreten, die eine Bewertung der Gesamtsituation herausfordern: „Ich fühle mich gut - oder schlecht“.

Unter der Fragestellung von Sinn im Leben können die Empfindungen Rückmeldung geben über den Grad der Stimmigkeit oder Unstimmigkeit. Dabei stehen sie in enger Verbindung zu den beiden anderen Rahmenkategorien der Gewißheiten und Wertkriterien. Je nach Generalisierungsgrad der Rahmenkategorien insgesamt können die Empfindungen sehr kontext- oder zeitspezifisch auftreten oder in einem allgemeinen unspezifischen Gefühl sich wi-derspiegeln. In jedem Fall wäre Sinn im Leben - unabhängig ob in einer positiven oder negativen Gestalt - ohne ein entsprechendes zugehöriges Gespür oder Gefühl nicht erlebbar. Empfindungen bilden eine konstitutive Rahmenka-tegorie bei Sinn im Leben.

Die sinnesspezifische Repräsentation von situationsbedingten Zuständen einer Person ist in den Klientendaten ein häufig anzutreffendes Phänomen. Sie bildet in Ergänzung zu den Empfindungen eine eigene Kategorie, die Rückmeldung geben über den aktuellen Zustand von Sinn im Leben. Die Repräsentationsformen bilden sich ab in Form von Metaphern oder Sinnbildern, die ihrerseits bestimmte submodale Kodierungen der jeweiligen Sinne enthalten. In den Klientendaten waren es ist erster Linie visuelle und kinästhetische Repräsentationsformen. Es ließen sich auch akustische Repräsentationen vermuten, sie spielten bei den hier vorgestellten Klienten jedoch nicht die entscheidende Rolle. Um die Rolle auditiver Repräsentationsformen überprüfen zu können, müßten weitere Datenerhebungen durchgeführt werden, was im Rahmen dieser Arbeit nicht mehr zu leisten war.

Die sinnesspezifischen Repräsentationen lassen sich anhand der Klientendaten in zwei Aspekte unterteilen: Zum einen sind sie auf inhaltlicher Ebene in der Lage, situationsspezifische Zusammenhänge in bildlicher Form darzustellen. Die inneren Bilder oder Szenerien enthalten Symbole, die auf bestimmte Weise miteinander verknüpft sind. In einigen Fällen ließ sich zeigen, daß diese Verknüpfungen eine Entsprechung zu der kontextspezifischen Realsituation der betreffenden Person aufzeigen. Metaphern veranschaulichen auf sinnbildliche Weise den Kontext, die zeitliche Dynamik und die entsprechenden Verknüpfungsformen sowie Wechselwirkungen der einzelnen Aspekte.

Zum anderen werden die situations- und themenspezifischen Zustände über Sinnesmodalitäten repräsentiert. Diese Submodalitäten entsprechen Feinunterscheidungen der Sinne und stehen in enger Verbindung zu der emotionalen Befindlichkeit einer Person.

In dem Zusammenspiel von sinnlicher Darstellung und Feinkodierung beheimaten sinnesspezifische Repräsentationen das Gesamterleben einer Person hinsichtlich einer kontext- und zeitspezifischen Situation. Zusammen mit den Empfindungen geben sie Rückmeldungen an das Individuum und symbolisieren die Rahmensetzung von Sinn im Leben.

 


Die Zeitebene für Sinn im Leben

 

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Die Zeitperspektive für den Sinn

Zusammen mit der Kernkategorie des Kontextes bildet die Zeitkategorie eine zentrale Dimension bei der Frage nach dem Sinn im Leben. Die Zeitdimension läßt sich ausdifferenzieren in vorzeitiges, gleichzeitiges und nachzeitiges Sinnerleben. Alle Zeitdimensionen sind verknüpft mit themenspezifischen Kontexten. Blickt ein Mensch aus einer gegenwärtigen Situation in die Vergangenheit, lassen sich Erinnerungen an frühere Kontexte wiederfinden, deren Erfahrungswert in die gegenwärtige Situation hinein wirkt. Vergangene Kontexte können auf ihre Sinnhaftigkeit hin bewertet werden. Diese Bewertung fließt zurück in die aktuelle Situation und hat Einfluß auf zukünftige Ereignisse. Richtet sich der Blick eines Menschen in die Zukunft, so lassen sich neue mögliche Kontextbeschreibungen entwickeln. Die Zielentwicklung bildet einen wichtigen Motivator für die Entfaltungsmöglichkeit von Sinn im Leben. Die nachzeitigen Kontextbeschreibungen messen sich anhand von denkbaren Wahlmöglichkeiten, die eine erwünschte Zielvorstellung zulassen. Diese Sinnentwürfe wirken ebenfalls zurück auf das gegenwärtige Erleben und nehmen Einfluß auf die kontextspezifische Aktivität der Person. Die Verknüpfung aller Zeitdimensionen ermöglicht, Sinn im Leben als prozeßhaftes Geschehen zu erfahren. Die unspezifische Zeitwahrnehmung, die sich über zeitlich unbegrenzte Visionen und Transzendenzvorstellungen entfaltet, umfängt die kontextspezifische zeitgebundene Sinnsuche und transzendiert das situative Erleben eines Menschen über sich selbst hinaus.

 

 

Dr. Stefan Schumacher  | Coaching@DrSchumacher.de